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Radkompetenz bei Kindern stärken - Aktionsplan Radfahren für Kinder

Kinder brauchen sichere Räume, wo sie spielerisch das Radfahren erlernen können, und eine kindergerechte Radinfrastruktur, um ihre Wege mit dem Fahrrad zurücklegen zu können. Mit dem Aktionsplan Radfahren für Kinder sollen Impulse für eine sichere und selbstständige Radmobilität von Kindern im Verkehrsraum gesetzt werden.

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Das sollten Sie wissen

Unabhängigkeit

Der Aktionsplan Radfahren für Kinder soll Kindern sicheres und selbstständiges Radfahren im Verkehr ermöglichen. 

Bewegungsziel

Radfahren im Alltag kann einen Beitrag dazu leisten, die Bewegungsempfehlungen des Fonds Gesundes Österreich für Kinder und Jugendliche zu erreichen.

Fähigkeiten

Kinder können früh ein Fahrrad lenken, sind im Verkehr aber oft überfordert, da sie ihn anders wahrnehmen und die nötigen Fähigkeiten erst schrittweise entwickeln.

Infrastruktur

Infrastruktur, die Aktive Mobilität fördern soll, muss sich am hohen Schutzbedürfnis der schwächsten Verkehrsteilnehmer:innen orientieren.

Zukunftskompetenz Radfahren

Radfahren ist eine entscheidende Zukunftskompetenz für eine klimaverträgliche Alltagsmobilität. Es trägt maßgeblich dazu bei, dass Kinder und Jugendliche die empfohlenen Bewegungsempfehlungen erreichen. Jedes Kind sollte in Österreich die Möglichkeit haben, sicher und selbstständig mit dem Fahrrad unterwegs zu sein – sei es zur Schule, in der Freizeit oder einfach aus Spaß. Dafür braucht es vielerorts Verbesserungen, insbesondere eine kindergerechte Radinfrastruktur. 

In urbanen Räumen fehlen oft geeignete Flächen, auf denen Kinder und Jugendliche das Radfahren selbstständig ausprobieren und üben können, um das Radfahren sicher zu beherrschen. Im ländlichen Raum mangelt es häufig an sicheren Radverbindungen zwischen den Gemeinden, sodass Kinder nicht selbstständig zur Schule oder zur Freizeiteinrichtung radeln können.  Fehlende Radfahrkompetenz oder unzureichende Infrastruktur schränken die (Rad-)Mobilität von Kindern ein und machen sie von Elterntaxis oder die Begleitung Erwachsener abhängig. 

Der Aktionsplan Radfahren für Kinder 

Der „Aktionsplan Radfahren für Kinder“ dient als Leitlinie für die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Bedingungen für die Radmobilität von Kindern. 

Die 23 Maßnahmen gliedern sich in vier zentrale Bereiche:

  • Infrastruktur und Rahmenbedingungen
  • Kindergerechte Fahrräder
  • Bewusstseinsbildung
  • Mobilitätsbildung

Die Bandbreite der Maßnahmen reicht vom Ausbau des sicheren Radverkehrsnetzes – als Radinfrastruktur, die von 8- bis 80-Jährigen befahren werden kann – über die bundesweite Bewerbung eines Fahrradprüfsiegels für sichere Kinderfahrräder bis hin zu Radfahrkursen für Kinder.

Die Erstellung des Aktionsplans war im Regierungsprogramm 2020–2024 enthalten und wurde im Rahmen eines breit angelegten Stakeholder-Prozesses entwickelt. Er ist Bestandteil des Nationalen Energie- und Klimaplan für Österreich 2021–2030 und leistet einen Beitrag zur Umsetzung des Mobilitätsmasterplans 2030 für Österreich, des Masterplans Radfahren 2030 und der Österreichischen Verkehrssicherheitsstrategie 2021–2030.

Ziel des Aktionsplans Radfahren für Kinder ist, dass Kinder mit dem Fahrrad sicher und selbstständig am Verkehr teilnehmen und von den verschiedenen Vorteilen des Radfahrens profitieren können.

Bedeutung und Entwicklung der Radfahrkompetenz von Kindern 

Kinder verfügen in der Regel schon früh über die motorischen Fähigkeiten, um ein Fahrrad zu lenken, sind aber im realen Verkehr oft aufgrund der Komplexität oft noch überfordert, da sie den Straßenverkehr anders wahrnehmen als Erwachsene. Für ein selbstständiges und sicheres Radfahren im Verkehrsraum sind körperliche und geistige Voraussetzungen notwendig, die Kinder erst schrittweise im Laufe des Vorschul- und Grundschulalters und darüber hinaus entwickeln. 

  • Blickfeld: Das Blickfeld von Kindern ist bis etwa zum 12. Lebensjahr noch eingeschränkt, so dass sie seitlich herannahende Fahrzeuge schlechter wahrnehmen.
  • Räumliches Sehen und Hören: Kinder können Entfernungen, Geschwindigkeiten und Geräusche schlechter einschätzen, da ihre Wahrnehmung erst mit etwa zwölf Jahren vollständig entwickelt ist.
  • Konzentrationsfähigkeit: Erst ab etwa acht Jahren können sich Kinder längere Zeit konzentrieren, die volle Entwicklung ist erst mit 14 Jahren erreicht.
  • Egozentrismus: Bis zum Alter von etwa acht Jahren glauben Kinder, dass sie im Verkehr immer gesehen werden, nur weil sie selbst andere wahrnehmen.
  • Einschätzung von Verkehrssituationen: Kinder erkennen zwar Gefahren, können aber im Durchschnitt erst ab der 2. Klasse Verkehrssituationen besser einschätzen.
  • Abstraktion von Wissen: Verkehrswissen kann bis etwa zum 12. Lebensjahr nur durch wiederholtes Üben in der realen Verkehrssituation richtig angewendet werden. Verkehrsregeln müssen für jede Situation individuell erklärt und geübt werden.

Um Kindern die Freude am Fahrradfahren und die nötigen Fähigkeiten zu vermitteln, bietet der Bund Radfahrkurse mit zertifizierten Radfahrlehrkräften an. Für interessierte Pädagog:innen und Eltern steht das Übungshandbuch für klimaaktiv mobil Radfahrkurse kostenfrei zur Verfügung.

Einfluss der Infrastruktur auf die Radfahrfähigkeit von Kindern

Eine Studie aus 2023 untersuchte die bestehenden infrastrukturellen Bedingungen für das Radfahren von Kindern im öffentlichen Straßenverkehr in Österreich sowie deren Einfluss auf die Radfahrfähigkeit. Die Autor:innen identifizierten zentrale Maßnahmen zur Förderung einer aktiven, selbstständigen und sicheren Radmobilität von Kindern durch verbesserte Infrastruktur: 

  • Reduzierte Geschwindigkeiten
  • Durchgängigkeit der Radinfrastruktur
  • Eindeutige Bodenmarkierungen
  • Gute Sichtverhältnisse
  • Gute Oberflächenbeschaffenheit der Wege
  • Bauliche Trennung vom schnellen motorisierten Fließverkehr

Diese Erkenntnisse sind auch in die Entwicklung des Aktionsplans eingeflossen. Eine Infrastruktur, die Aktive Mobilität fördern soll, muss sich am hohen Schutzbedürfnis der schwächsten Verkehrsteilnehmer:innen orientieren.

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Vier Kinder fahren hintereinander auf der Straße mit dem Fahrrad und biegen in eine Straße ein. Der Radweg ist umgeben von einem Park. Die Kinder halten die rechte Hand ausgestreckt und signalisieren damit, dass sie rechts abbiegen. © Johannes Brunnbauer
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Zwei Kinder fahren Fahrrad und üben das Rechtsabbiegen. Sie halten die rechte Hand seitlich ausgestreckt während sie mit dem Fahrrad fahren. Beide tragen Helm. © Johannes Brunnbauer

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Alternativtext © ____R_DanielaJakob_4342_Anna
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